Glossar · Physiologie & Gesundheit
Das Frühstadium, bevor aus Überlastung ein Bruch wird
Die Knochendichte beschreibt den Mineralgehalt des Knochens und damit einen wichtigen Faktor seiner mechanischen Belastbarkeit. Eine Stressreaktion ist die früheste Stufe einer Überlastungsschädigung des Knochens: ein Vorstadium der Stressfraktur, bei dem in der Bildgebung bereits eine Schwellung im Knocheninneren sichtbar ist (ein sogenanntes Knochenmarködem), ohne dass ein durchgehender Bruchspalt vorliegt.
Knochenüberlastungen werden heute als Kontinuum verstanden: von der Stressreaktion über die Stressfraktur bis zum vollständigen Bruch, wenn die Belastung nicht angepasst wird. Bei jugendlichen Ballett-Tänzerinnen wurde in Studien eine ortsspezifisch verringerte Knochendichte festgestellt, insbesondere an den Armen, verglichen mit gleichaltrigen Kontrollpersonen – ein Befund, der besonders in einer Lebensphase relevant ist, in der der Knochen eigentlich noch aufgebaut werden sollte. Eine Stressreaktion verursacht anfangs oft nur einen unspezifischen, belastungsabhängigen Schmerz, der bei Ruhe nachlässt und deshalb leicht als vorübergehende Überlastung abgetan wird. Wird die Belastung in dieser Phase nicht angepasst, kann sich daraus eine ausgeprägte Stressfraktur entwickeln. Risikofaktoren wie geringe Energieverfügbarkeit, verzögerte Pubertät und niedriges Körpergewicht, wie sie im Kontext der relativen Energieverfügbarkeit im Sport (RED-S) beschrieben werden, erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer verminderten Knochendichte zusätzlich.
Weil eine Stressreaktion noch reversibel ist und sich mit angepasster Belastung meist folgenlos zurückbildet, ist genau dieses frühe Stadium ein zentraler Ansatzpunkt der Präventionsarbeit von CENIT e.V. Wer belastungsabhängigen Schmerz früh ernst nimmt, statt ihn zu ignorieren, und dabei auch Knochengesundheit und Energieversorgung im Blick behält, kann eine Chronifizierung bis hin zur echten Fraktur häufig verhindern.
Dieser Eintrag dient der Wissensvermittlung im Präventionskontext und ersetzt keine medizinische Diagnostik oder Beratung. Bei anhaltendem belastungsabhängigem Schmerz empfehlen wir, sich an tanzmedizinisch erfahrene Fachpersonen zu wenden – etwa über die Vermittlung von ta.med oder die Ressourcen der IADMS.
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