Glossar · Psychische Gesundheit
Wie der eigene Körper wahrgenommen und bewertet wird
Körperbild beschreibt, wie ein Mensch den eigenen Körper wahrnimmt, bewertet und empfindet – unabhängig davon, wie der Körper tatsächlich aussieht. Es umfasst wahrnehmungsbezogene, gedankliche und gefühlsmäßige Anteile und kann sich je nach Situation, Umgebung oder Tagesform verändern.
Im Ballett ist das Körperbild besonders eng mit ästhetischen Idealen verknüpft: Wandspiegel im Studio, körperbetonte Kostüme und eine lange Tradition bestimmter Körperlinien machen die eigene Silhouette ständig sichtbar und bewertbar. Eine Studie mit klassischen Ballett-Tänzerinnen fand, dass sich die Teilnehmerinnen im Alltag mit ihrem Körper zufrieden zeigten, im spezifischen Kontext des Balletttrainings jedoch deutlich unzufriedener waren – ein Hinweis darauf, wie stark das unmittelbare Umfeld das Körperbild prägen kann. Bei Jugendlichen wurde ein Zusammenhang zwischen ausgeprägter Körperunzufriedenheit und einem erhöhten Risiko für gestörtes Essverhalten beschrieben. Auch der Einsatz von Spiegeln im Unterricht wird differenziert diskutiert: Das visuelle Bild im Spiegel kann das eigene, gefühlte Körpererleben überlagern und es Tänzer:innen erschweren, Bewegung über die innere Wahrnehmung statt über das Aussehen zu erlernen.
Weil ein belastetes Körperbild ein anerkannter Risikofaktor für gestörtes Essverhalten ist, setzt sich CENIT e.V. dafür ein, im Tanzunterricht ein Umfeld zu fördern, das Bewegungsqualität und Körperempfinden stärker in den Vordergrund rückt als äußere Erscheinung. Ein reflektierter Umgang mit Spiegeln, Feedback und Sprache im Studio kann dazu beitragen, ein gesünderes Verhältnis zum eigenen Körper zu unterstützen.
Dieser Eintrag dient der Wissensvermittlung im Präventionskontext und ersetzt keine psychologische oder medizinische Beratung. Bei anhaltender Körperunzufriedenheit oder Anzeichen für gestörtes Essverhalten empfehlen wir, sich an tanzmedizinisch oder psychologisch erfahrene Fachpersonen zu wenden – etwa über die Vermittlung von ta.med oder die Ressourcen der IADMS.
Santo André HC, Pinto AJ, Mazzolani BC et al. "Can A Ballerina Eat Ice Cream?": A Mixed-Method Study on Eating Attitudes and Body Image in Female Ballet Dancers. Front Nutr. 2021;8:665654. doi.org/10.3389/fnut.2021.665654 · Ohashi YB, Wang SB, Shingleton RM, Nock MK. Body dissatisfaction, ideals, and identity in the development of disordered eating among adolescent ballet dancers. Int J Eat Disord. 2023;56(9). doi.org/10.1002/eat.24005 · IADMS Resource Paper: Mirrors in the Dance Class – Help or Hurt? International Association for Dance Medicine & Science. iadms.org