Glossar · Psychische Gesundheit
Wenn Aufregung zur belastenden Angst wird
Performance-Anxiety, im Deutschen auch als Auftrittsangst bezeichnet, meint eine ausgeprägte Nervosität oder Angst vor und während einer Aufführung, die über die übliche Aufregung vor einem Auftritt hinausgeht. Sie kann sich körperlich, etwa durch Herzrasen, Zittern oder Übelkeit, gedanklich durch Angst vor Fehlern oder Bewertung sowie im Verhalten zeigen.
Ein gewisses Maß an Nervosität vor Vorstellungen, Vorsprechen oder Aufnahmeprüfungen ist normal und kann sogar leistungsförderlich wirken. Davon zu unterscheiden ist eine ausgeprägtere Auftrittsangst, die die Bewegungsqualität, Konzentration oder das Erleben der eigenen Leistung spürbar beeinträchtigt. Eine Studie mit 147 professionellen Tänzer:innen aus Opernhäusern und Staatstheatern fand bei rund 16 Prozent der Frauen und gut 6 Prozent der Männer zumindest mittelgradige Symptome einer generalisierten Angststörung – einer andauernden, nicht nur auf den Auftritt begrenzten Angsterkrankung – deutlich mehr als in der Allgemeinbevölkerung. Da Aufführungen im Tanz oft mit Bewertung durch Publikum, Jury oder Vorgesetzte verbunden sind und Fehler unmittelbar sichtbar werden, kann sich Auftrittsangst hier besonders stark auswirken – bis hin zu erhöhter muskulärer Anspannung, die wiederum das Verletzungsrisiko beeinflussen kann. Ansätze wie mentales Training, Selbstgespräche, Zielsetzung und Entspannungstechniken werden in der Forschung eingesetzt, um Auftrittsangst zu reduzieren, wobei ihre Wirksamkeit je nach Methode und Umsetzung unterschiedlich ausfällt.
Weil Auftrittsangst im Tanz häufiger auftritt als oft angenommen und sich auch auf die körperliche Sicherheit auswirken kann, ist es CENIT e.V. wichtig, zwischen normaler Aufregung und belastender Angst zu unterscheiden und für Letztere zu sensibilisieren. Wer psychische Belastung genauso ernst nimmt wie körperliche Beschwerden, trägt dazu bei, dass sich Tänzer:innen frühzeitig Unterstützung holen, statt Auftrittsangst stillschweigend hinzunehmen.
Dieser Eintrag dient der Wissensvermittlung im Präventionskontext und ersetzt keine psychologische oder medizinische Beratung. Bei anhaltender, belastender Auftrittsangst empfehlen wir, sich an tanzmedizinisch oder psychologisch erfahrene Fachpersonen zu wenden – etwa über die Vermittlung von ta.med oder die Ressourcen der IADMS.
Junge A, Hauschild A. Behind the Curtain: Prevalence of Symptoms of Depression, Generalised Anxiety and Eating Disorders in 147 Professional Dancers from Six Opera Houses or State Theatres. Sports Med Open. 2023;9:92. doi.org/10.1186/s40798-023-00638-9 · Zhang Y, Noh YE, Liu S. Psychological interventions for dancers' mental health: a systematic review. BMC Psychol. 2025;13. doi.org/10.1186/s40359-025-03724-7